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Der VW 411

Woher hatte der VW 411 seinen Namen? Ganz klar: 4 Zylinder und 11 Jahre zu spät. Kalauer und Spitznamen verfolgten den Typ 4 von Anfang an. Er sollte VW in der Mittelklasse präsent machen, war aber eindeutig noch ein Kind von Prof. Nordhoff, was nichts anderes hieß, als das man es mit einer neuen Käfermutation zu tun hatte, die (Zitat) "trotz vieler Neuerungen dem Käferkonzept treu blieb: Heckmotor, Luftkühlung und mäßige Leistung". Trotzdem erregte das Fahrzeug bei seiner Präsentation am 12.8.1968 Aufsehen, einfach nur, weil es ein neuer Volkswagen war. Eine ursprünglich auch entwickelte Stufenhecklimousine ging nie in Serie und steht in Wolfsburg als Einzelstück im VW-Museum, so dass die erste Serie eine Schräghecklimousine war. Der 411 sah weder besonders gut aus (die Fischaugen als Scheinwerfer) noch war er besonders funktionell (keine Heckklappe). Immerhin wurde er als erster VW mit 4 Türen geliefert und hatte als weitere Neuheit keinen Plattformrahmen mehr, sondern eine selbst tragende Karosserie. Auch die Vorder- und Hinterachsaufhängung waren neu. Dieses Konzept sollte das Ausbrechen des Hecks verhindern. Im Heck werkelte ein weiterentwickelter Vierzylinder Boxer mit 1679 cm3 und 68 PS. Damit war er kein Sportwagen sondern eben ein VW: Robust, langlebig, zuverlässig.

Den Spitznamen "Nasenbär" verdankt der 411 seiner langen "Schnauze", unter der sich ein flachliegendes Reserverad und ein richtig großer Kofferraum verbarg - jedenfalls für jemanden, der vorher nur den Käfer kannte.

Der Preis betrug anfangs 7.770 DM, 2 weitere Türen gab es für 320 DM, weitere 400 DM kostete die L-Ausstattung, 395 DM ein Schiebedach und eine Automatik war für 800 DM zu bekommen. Es gab nicht viele Leute, die soviel Geld für einen "Überkäfer" ausgeben wollten, der noch dazu stilistisch eher - sagen wir mal vornehm - gewöhnungsbedürftig war. Nur ein Jahr nach dem Start stand bereits eine überarbeitete Ausgabe des 411 in den Händlerräumen. Optisch gefälliger vor allem durch die Doppelscheinwerfer und vor allem durch den dreitürigen Kombi "411 Variant", der eine erheblich bessere Figur als die Limousinen machte und schnell der meistverkaufte 411er wurde. Der Variant startete mit 8.355 DM in der Preisliste, gegenüber der Limousine ein Aufpreis von 400 DM. Aber nicht nur äußerlich änderte sich einiges, auch innen und unterm Blech war Volkswagen nicht untätig gewesen:

Für die Fahrgäste gab es besser geformte Sitze, ein Stabilisator an der Hinterachse sorgte für ein sichereres und komfortableres Fahrverhalten und vor allem gab es einen verbesserten Motor. Dieser hatte jetzt eine Benzineinspritzung anstelle der beiden Solex-Vergaser. Zusammen mit anderen Verbesserungen wie u.a. einem jetzt aus Aluminiumdruckguss gefertigtem Gehäuse, einer geänderten Nockenwelle, einer anderen Motoraufhängung und der Umstellung auf Superbenzin stieg die Leistung auf 80 PS.

Trotz aller dieser Verbesserungen unterlag er in einem Vergleichstest klar, vor allem im Kapitel Fahrsicherheit war er innerhalb seiner Mitbewerber Audi 100 S, Renault 16 und VW K70 deutliches Schlusslicht.

Auch wenn es jetzt eigentlich schon in die Epoche 4 gehört, noch schnell die restliche kurze Lebensgeschichte des 411: Der 411 wurde 1973 stilistisch und motormässig ein weiteres mal überarbeitet, sah jetzt wirklich gut aus, hieß ab sofort VW 412, aber trotzdem interessierte sich kaum noch jemand für ihn, was auch an dem mittlerweile auf 11.000 DM gestiegenen Preis gelegen haben wird. Im Mai 1974 wird die Produktion eingestellt und es wird der Weg für den Golf freigemacht.

Technische Daten VW 411/VW 412
  VW 411 VW 411 E/LE VW 412 VW 412 S
Hubraum: 1679 cm3 1795 cm3
Bohrung/Hub: 90*66 mm 93*66 mm
Getriebe: Viergang vollsynchronisiert, auf Wunsch Dreigang-Automatik
Karosserie: selbsttragend
Länge mm: 4525 4525 4555 4555
L-Ausf.: - 4553 - 4583
Breite mm: 1635 1635 1635 1635
Höhe mm: 1845 1845 1845 1845
Leergewicht: 1020 kg (Zweitürer) bis 1120 kg (Variant)
Bauzeit: 1968 - 1969 1969 - 1973 1973 - 1974 1973 - 1974
Stückzahl: insgesamt 367.728

Nie in Serie gebauter Prototyp, aus dem dann später der VW 411 entstand
Foto aus dem VW-Museum. Offizelle Bezeichnung EA 142, 68 PS aus luftgekühlten 1679 cm3, Bezeichnet als "frühe stilistische Stufenheck-Variante"

Michael Neuhauss

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