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Nachkriegsschlager

Das Genre des Schlagers existiert seit mehr als hundert Jahren. Neben den üblichen Liebes- und Herzschmerzballaden wurden in Schlagern aber auch häufig aktuelle politische oder gesellschaftsbezogene Themen aufgegriffen.

Die Schlager der Nachkriegszeit machen hier keine Ausnahme, im Gegenteil, gab es doch seinerzeit eine Fülle von Ereignissen, die in Schlagern verarbeitet wurden.

Zeitgeschehen

Alltägliche Nachkriegsprobleme, Versorgungsengpässe, Berlin-Blockade und Arbeitslosigkeit, später aber auch das Wirtschaftswunder wurden von einer Reihe von Künstlern besungen.

Bully Buhlan.

Er war der erste Schlagerstar der Nachkriegszeit. Viele seiner Lieder handelten von den Problemen der Bevölkerung in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Mit "Ich hab' so Sehnsucht nach Würstchen mit Salat" sprach er 1947 das Problem der Lebensmittelversorgung an. Die Blockade West-Berlins 1948/49 inspirierte ihn zu "Ich hab' noch einen Koffer in Berlin" und "Ich hab' so Heimweh nach dem Kurfürstendamm". Aufgrund massiver Bombenschäden an Bahnanlagen in und um Dresden endeten eine zeitlang Züge nach den Dresden in Kötzschenbroda (heute Radebeul Ost). Bully Buhlan kommentierte diesen Zustand nach der Melodie von "Chattanooga Choo Choo" mit dem "Kötzschenbroda-Expreß". Auch im "Osten" war das Lied sehr populär und wurde hier von Peter Rebhuhn gesungen.

Text

Jupp Schmitz

Als 1949/50 bei niedrigen Einkommen die Arbeitslosenquote in die Höhe schnellte, sang das Kölner Original "Wer soll das bezahlen".

Karl Berbuer

Auch er war ein Kölner Karnevalssänger. Mit "Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien" parodierte er 1948 die Verhältnisse in den drei Westzonen. Dieser Karnevalsschlager musste sogar als "Nationalhymnenersatz" herhalten.

Wolfgang Neuss

Mit seinem Partner Wolfgang Müller setzte der Kabarettist sich 1960 kritisch mit der jungen Bundesrepublik und dem Wirtschaftswunder auseinander: "Das Lied vom Wirtschaftswunder" aus dem Film "Wir Kellerkinder"..

Text

Hazy Osterwald

Eine humorvolle Darstellung des Wirtschaftswunders lieferte das Hazy Osterwald Sextett mit dem "Konjunktur-Cha-Cha".

Italien

Als im Verlauf der 50er die Arbeitslosigkeit sank und die Einkommen stiegen, konnte sich auch "Otto Normalverbraucher" eine Urlaubsreise leisten. Beliebtestes Urlaubsziel war Italien (1956 besuchten 4,5 Mio. Deutsche das Land), was sich auch in vielen Schlagern niederschlug:

Rudi Schuricke...

...war schon in den 30ern ein Star. 1950 gelang ihm mit dem bereits 1943 aufgenommenen Lied "Capri-Fischer" ein Riesenhit.

René Carol...

...erhielt 1953 für "Rote Rosen, rote Lippen, roter Wein" die erste Goldene Schallplatte der Nachkriegszeit.

Lys Assia...

...hatte eine ganze Reihe von "Italien-Hits", wie z.B. "Arrivederci Roma", "Adio Bella Napoli" (beide 1956) oder"Die Sterne von Venezia" (1958).

Rocco Granata

Ein Italiener, der 1959 mit "Marina" nicht nur in Deutschland punktete.

Caterina Valente...

...ritt 1959 mit "Tschau Tschau Bambina" ebenfalls auf der Italien-Welle.

Günter Hapke

Selbst an der DDR ging besagte Italien-Welle nicht spurlos vorbei: "A-mi-amore" (1964).

Sehnsucht/Fern-/Heimweh/Meer

Die vom Krieg traumatisierten Nachkriegsdeutschen sehnten sich nach einer heilen Welt, die in den 50ern in Form von Südsee- und Seefahrerromantik in Filmen und Schlagern geboten wurde.

Hans Albers

Dieser großartige Schauspieler war auch als Sänger sehr erfolgreich. "La Paloma" aus dem Film "Große Freiheit Nr. 7" von 1944 wurde in der Nachkriegszeit häufig gespielt. Weitere Seemannslieder: "Nimm mich mit Kapitän auf die Reise" (1950) und "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins" (1954).

Lale Andersen

bekannt geworden durch "Lili Marleen" (1939), feierte 1952 mit "Blaue Nacht am Hafen" ein glänzendes Comeback. Sie hatte mit weiteren "Hafenliedern", z.B. "Unter der roten Laterne von St. Pauli" oder "Ein Schiff wird kommen" (1960) weitere Erfolge.

Freddy Quinn

Der "singende Seemann" aus Österreich verstand es wie kaum ein anderer, Seefahrerromantik musikalisch darzustellen. Beispiele: "Die Gitarre und das Meer" (1959), "Junge komm' bald wieder" (1962).

Margot Eskens

"Cindy oh Cindy" (1956) war wohl ihr bekanntester Hit.

Lolita

wie Freddy Quinn aus Österreich, hatte ebenfalls mit "maritimen" Schlagern einige Erfolge; als Beispiele seien genannt "Der weiße Mond von Maratonga" (1957) und "Über alle sieben Meere" (1961). Mit "Seemann, Deine Heimat ist das Meer" (1960) gelangte sie sogar in die US-Charts.

Jenny Petra...

...weckte 1961 bei den Bürgern der DDR das Fernweh mit "Weiße Wolken, blaues Meer und Du".

Günter Geißler

Damit das Volk der Werktätigen nicht auf falsche Gedanken kam, hielt er 1964 mit "Was willst Du denn in Rio" dagegen.

Weiterführende Links:

 
Die Schallplattenbar
Die Schlagerbar
Das deutsche Schlagerarchiv
Informationen über Schlagerstars von 1950 - 1970
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Hans-Joachim Krohberger

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