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Deutsche Rundfunkgeschichte

Radios von Gestern

Rundfunk in Deutschland nach 1945

"Stunde 0" - der "Großdeutsche Rundfunk" - das schwärzeste Kapitel der deutschen Rundfunkgeschichte war vorüber. Problematischerweise gab es seitens der Alliierten kein Konzept, wie der Rundfunk zu betreiben war, nur dass es den Deutschen verboten war, den Rundfunk selbst zu betreiben, stand fest. Anfangs wurde der größte deutsche Sender in Königs-Wusterhausen (ca. 30 km südöstlich von Berlin) von den Alliierten gemeinsam genutzt. Aber schon nach wenigen Wochen entwickelte sich in den jeweiligen Besatzungszonen der Rundfunk und dessen Organisation ziemlich unabhängig voneinander neu.

In der britischen Zone (heutiges NRW, Niedersachsen, Hamburg und Schleswig- Holstein) wurde von englischen Offizieren ein Militärsender aufgebaut - Radio Hamburg. Man fand in Hugh Charlston Greene - Bruder des Schriftstellers Graham Greene - einen "Controller" (etwa der heutige Intendant), der schon erfolgreich bei der BBC gearbeitet hatte. Das Modell der BBC wurde auf den Rundfunk der britischen Besatzungszone übertragen, der seine Schwerpunkte in Köln und Hamburg hatte. So entstand der NWDR.

Die Amerikaner, deren Zone Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Bremen umfasste, hatten noch viel weniger als die Briten ein Konzept. Das amerikanische Modell, wonach die Sendungen werbefinanziert waren, konnte man nicht übernehmen. Es gab ja nichts, wofür man hätte Werbung machen können. Letztlich wurde das britische Modell übernommen - mit einem Unterschied: Die Amerikaner wollten nicht die zentralistische Organisation der BBC. Deshalb wurde für jedes Land eine "Anstalt des öffentlichen Rechts" gegründet, die nach und nach in deutsche Hände übergingen. Daraus entstanden später Radio Bremen, der Bayerische Rundfunk, der Hessische Rundfunk und der Süddeutsche Rundfunk.

Telefunken Bajazzo 5l 1951
Telefunken Bajazzo 5l 1951

Die Franzosen machten es sich einfach: Sie kopierten die Amerikaner und gründeten Anfang der 50er Jahre den Südwestfunk.

Interessant bei alledem ist, dass die Unabhängigkeit des Rundfunks vom Staat von den Amerikanern mit aller Härte durchgesetzt werden musste. Die Deutschen konnten sich einen nicht-staatlichen Rundfunk nach den letzten Jahren einfach nicht (mehr) vorstellen.

Als die deutsche Gesetzgebung nach dem Krieg dann langsam wieder einsetzte, gab es Krach um den NWDR. NRW, schon damals das bevölkerungsreichste Bundesland, wollte eine eigene Rundfunkanstalt besitzen. Also trennte man den NWDR und gründete den NDR und den WDR. Auch der SFB (Sender freies Berlin) und 1958 der Saarländische Rundfunk wurden gegründet. Der bekannte Berliner Sender "RIAS Berlin" (RIAS steht für Rundfunk im amerikanischen Sektor) nahm eine Sonderstellung unter der amerikanischen Oberhoheit ein.

Um die Unabhängigkeit der Sender zu gewährleisten, wurden die Rundfunkgebühr (und später auch die Fernsehgebühr) wieder eingeführt, die es früher schon gab. Anfangs betrug sie 2,-- DM und wurde erste 1970 um 50 Pfennig erhöht.

Hamburg-Heiliggeistfeld 1952
"Fernsehbunker" in Hamburg-Heiliggeistfeld mit Richtfunkantennen 1952

Das Programm des NWDR sah am Freitag, den 9. Oktober 1953 um die Mittagszeit z.B. so aus:
 

12:00 - 12:30 UhrMusik zur Mittagspause
12:30 - 12:45 UhrLandfunk
12:45 - 13:00 UhrPresseschau
13:00 - 13:25 UhrNachrichten und Presseschau
13:25 - 13:50 UhrMusik am Mittag
13:50 - 14:00 UhrSuchdienst (ein Stück tägliche Erinnerung an den 2. Weltkrieg)
 
Dieses Programm lief täglich und es wurde nur am Sonntag leicht modifiziert.

Eine kleine Chronik:

1946

Februar: Mit den alten Draht-Anlagen zur Luftlagemeldung starteten die Amerikaner in Berlin den DIAS (Drahtfunk im amerikanischen Sektor).
März: Das von den Franzosen in Baden-Baden errichtete Funkhaus wurde mit Südwestfunk (SWF) benannt.
September:Der DIAS wurde zum RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor) umgewandelt.
Oktober:Grundig bringt den Radiobausatz "Heinzelmann" auf den Markt und beginnt damit sein Imperium.

1947

März:In den britisch besetzten Gebieten war fast keine Rundfunkindustrie. Neue Firmen siedelten sich an und bekamen von den Alliierten den Auftrag, einen einfachen und billigen Standard-Super zu entwickeln. Beteiligt waren u.a. die Firmen: Blaupunkt, Hagenuk, Lorenz, Siemens, Telefunken.
Dezember:Erfindung des Transistors durch die amerikanischen Physiker Bardeen, Brattain und Schockley. Sie werden 8 Jahre später dafür mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.

1948

April:Die Verordnung 118 der britischen Militärregierung über den Nordwestdeutschen Rundfunk sagt in der als Anhang gegebenen Satzung: "Die Rundfunksendungen sollen in Sprache und Musik (später; sobald technisch möglich, auch im Bilde) Unterhaltung, Bildung, Belehrung und Nachrichten vermitteln.
Juni:Der RIAS wurde während der Blockade Berlins vom 24.06.1948 bis 12.05.1949 zum wichtigsten Sender.
Juli:Die 1945 von den Militärregierungen ausgesprochenen Produktionsbeschränkungen für Radioproduktion werden aufgehoben. 1948 gibt es bereits wieder 7 Millionen Rundfunkteilnehmer.
September:Auf Einladung von Dr. Werner Nestel, Hamburg, tagen 33 Experten der Fernsehtechnik in Hamburg und entscheiden sich zum Neubeginn des deutschen Fernsehens für die 625-Zeilen-Norm.
Die deutsche Rundfunkindustrie hatte zu diesem Zeitpunkt etwa den technischen Stand wie 1936 erreicht.
Seit der ersten Legislaturperiode versuchte die Bundesregierung unter Konrad Adenauer den Rundfunk neu zu ordnen, um mehr Einfluss auszuüben.

Jahr 1949

RCA stellt die neue Schallplattengeneration vor: 45 U/min auf einer 7 Zoll Vinyl- Plastik-Scheibe mit einer Spielzeit von max. 5,25 Minuten. Die "Single" war geboren Die Amerikaner übergaben den Bayrischen Rundfunk (BR), den Hessischen Rundfunk (HR) und Radio Bremen in deutsche Leitung.
Einen Tag vor dem NWDR beginnt der Bayrische Rundfunk mit UKW-Übertragungen.
Der UKW-Sender in Hannover (NWDR) wird in Betrieb genommen.

Jahr 1950

Die Intendanten der bestehenden Rundfunkanstalten (BR, HR, NWDR, RB, SDR, SWF und RIAS mit beratender Stimme) gründen die "Arbeitsgemeinschaft der öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundsrepublik Deutschland" (ARD).
Kurz vor der Funkausstellung beginnt in Düsseldorf die Ausstrahlung des Auto-Straßenfunks

Jahr 1951

In Philadelphia wird UNIVAG I vorgestellt. Es ist der erste kommerzielle Computer der Welt.
Im Philips-Fernsehwerk Krefeld wird mit dem Fernseh-Tischgerät TD 1410 die Produktion aufgenommen

Hörerumfrage: Was hören Sie am liebsten?
42,2% Musik (9,4 % gute Musik / 13,6 % leichte Musik)
19,5% Nachrichten, Wetter, Zeitansage
4,8% Politik, Wirtschaft
<3% alle anderen Sparten
Erste Farbfernsehsendung in den USA.

Jahr 1952

Ab August werden alle Einrichtungen des Rundfunks in der staatlichen "Rundfunkkomitee" geleitet.
Das Fernsehen der DDR nimmt seinen regulären Sendebetrieb auf.
Das Erste Deutsche Fernsehen nimmt im Dezember in Hamburg seinen Betrieb auf.

Jahr 1953

Am 02. Juni erlebt das Fernsehen mit den Bildern von der Krönung der britischen Königin Elisabeth II. einen ersten Höhepunkt. Dabei gibt es große Probleme zu überwinden. Die Zeilenzahl in England beträgt 405 Zeilen, die der Franzosen 819 und der Bundesrepublik und der Niederlande 625. Diese "Zeilentransformation" ist geglückt, alle angeschlossenen Länder haben die Krönungsfeierlichkeiten miterlebt. Später verlautet, man habe mit Kameras die Bilder mit den anderen Zeilenzahlen aufgenommen und weitergeleitet.
Es gibt bereits 11 Millionen Hörfunkteilnehmer. Dem stehen nur einige tausend Fernsehteilnehmer gegenüber.
Am 9. Oktober finden mit der Wahl des Bundeskanzlers die ersten Fernseh- Direktübertragungen aus dem Deutschen Bundestag statt.
In den ARD-Anstalten wurden 200 Hörspiele pro Jahr produziert.

Adagio5
Radio Adagio5 von 1953

Jahr 1954

Die ersten Radios mit dem Raumklangverfahren 3-D kommen auf den Markt Der "Sender Freies Berlin" (SFB) tritt der ARD bei.
Das Fernsehen überträgt von der Fußballweltmeisterschaft in Bern, wo Deutschland Fußballweltmeister wird. Helmut Rahn (der Schütze des Siegtreffers im Endspiel) vermutet, daß die Übertragung des Endspiels dem Fernsehen in Deutschland zum Durchbruch verholfen hat.

Jahr 1956

AMPEX führt den ersten Magnetband-Videorecorder vor.
Die ersten Transistorradios gibt es im Handel. Damit beginnt der Siegeszug des Halbleiters.
Der "Norddeutsche Rundfunk" (NDR) Hamburg und der "Westdeutsche Rundfunk" (WDR) Köln treten der ARD bei.
Beginn des offiziellen, landesweit zu empfangenden Fernsehprogramms in der DDR im Januar.

Jahr 1957

Der "Deutsche Demokratische Rundfunk" sendet aus Nauen das Programm von "Radio Berlin International".
Der Thyristor als Grundlage für die Leistungselektronik wird entwickelt.
WESTREX stellt auf einem Kongress die Stereo-Platte mit 45 U/min vor. Ab 1958 sind Stereo-Platten im Handel.

Jahr 1958

Der Franzose Henri de France entwickelt das SECAM-Farbfernseh-Verfahren (Sequentiel a memorie = SECAM).
Der Deutsche Prof. Walter Bruch erfindet das PAL-Farbfernseh-Verfahren (Phase Alternating Line).

Jahr 1959

Der "Saarländische Rundfunk" (SR) tritt der ARD bei.
Der SFB führt mit zwei UKW-Sendern STEREO-Sendeversuche durch.

Jahr 1960

Die Zahl der Rundfunkhörer in der Bundesrepublik hat in diesem Jahr 15,9 Millionen erreicht. Die Funkindustrie erlebt ihren Höhepunkt. Ende 1960 gibt es bereits fast 3,4 Millionen Fernsehteilnehmer in der Bundesrepublik.
Die Industrie-Messe Hannover zeigt Fernsehgeräte mit eingebautem UHF-Teil. Konrad Adenauer unterschrieb das Gründungsdokument der "Deutschland-Fernseh- GmbH".

Jahr 1961

Auf Klage der Länder Hamburg, Hessen, Niedersachsen und Bremen gegen die Gründung der "Deutschland- Fernseh-GmbH" am 25.05.1960 entschied das Bundesverfassungsgericht das "Adenauer-Fernsehen" für verfassungswidrig. "Unter Umständen hielt das Gericht privaten Rundfunk für zulässig", heißt es wörtlich in dem Urteil.
Die Bundesländer beendeten den Streit mit dem Bund und gründeten in Folge das von der ARD unabhängige ZDF.
22. Deutsche Rundfunk- Fernseh- und Phono-Ausstellung wieder in Berlin vom 25.08. - 03.09.1961, das damit die "Funkausstellung" zurückbekommen hatte. Der Zwei-Jahres-Rhythmus wurde bis heute beibehalten.

Jahr 1962

Der Deutschlandfunk nimmt seinen regelmäßigen Sendebetrieb auf.
Die neue Frequenzaufteilung, auf der Stockholmer Internationalen Wellenkonferenz 1961 beschlossen, für die UKW-Sender tritt in Kraft.
Die Leuchtdiode (LED) wird erfunden.
Erste Sendeversuche in multiplex STEREO.
Die "Deutsche Welle" (DW) und der "Deutschlandfunk" (DLF) treten Ende des Jahres der ARD bei.

Jahr 1963

Im April nimmt das ZDF den regelmäßigen Sendebetrieb auf.
In den Londoner BBC-Studios wird der erste Home-Videorecorder vorgestellt. Erste öffentliche Fernseh-Direktübertragung von den USA nach Europa über den Satelliten "Telstar".
Mit 8 016 584 angemeldeten Teilnehmern in der Bundesrepublik ist die 8 Millionen- Grenze der Fernsehteilnehmer überschritten.
Der STEREO-Rundfunk nach dem multiplex Verfahren sendet regelmäßig.

Jahr 1966

In der Bundesrepublik und Westberlin gibt es 18 069 882 gemeldete Rundfunkhörer. Die Zahl der angemeldeten Fernsehteilnehmer im Bundesgebiet und Westberlin beträgt 12 199 800.

Jahr 1967

Das ZDF beginnt zur 25. Großen Deutschen Funkausstellung in Berlin mit regelmäßigen Farbsendungen.

Jahr 1969

Das Fernsehen der DDR führt ein zweites Programm ein und beginnt mit der Ausstrahlung von Sendungen in Farbe; es wird das SECAM-System verwendet.

Michael Neuhauss / H.-J. Krohberger

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