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Kabinenroller

Menschen in Aspik:

So nannte der Volksmund die Fahrer eines Karo (Kabinenroller), das Fahrzeug wurde auch als "Schneewittchensarg" oder weniger nett als "Käseglocke" bezeichnet. (Auch der Volvo P 1800 ES wurde "Schneewittchensarg" genannt, hier wurden zwei Fahrzeuge mit dem gleichen Titel "ausgezeichnet").

 

Messerschmitt Kabinenroller
Messerschmitt Kabinenroller
© Michael Neuhauss

Das Glasdach -oder besser die Kanzel , unter der zwei Personen Platz fanden (hintereinander), sah ein wenig nach Flugzeug aus. Der Kabinenroller hatte auch keine Türen, einsteigen musste man, indem die gläserne Kuppel wie bei einem Flugzeug zur Seite geklappt wurde. Und auch der Lenker erinnerte eher an einen Steuerknüppel als ein Autolenkrad. Aber das alles war kein Wunder, denn der Karo wurde von einem Flugzeugfabrikanten konstruiert und gebaut.
Das ungewöhnliche Fahrzeug hieß Messerschmitt-Kabinenroller, Hersteller war der Flugzeugfabrikant Willy Messerschmitt, dem wegen eines Alliiertenerlasses verboten war, weiterhin Flugzeuge zu bauen.

Es war schon ein skurriles Gefährt, das da im Nachkriegsdeutschland die Straßen bevölkerte. Spötter beschrieben es so: 1,20 Meter hoch, 1,20 Meter breit, von der Gestalt einer Zigarre und mit dem Gesicht eines Froschs. Doch das merkwürdige Gefährt steht aus heutiger Sicht beispielhaft für die Motorisierung Deutschlands - das macht den Messerschmitt-Kabinenroller zum Mythos.
Zwischen März 1953 und Januar 1964 rollten rund 67 000 dieser "Karos" (Kabinenroller) vom Band. Angetrieben wurden die Dreiräder von Fichtel & Sachs-Zweitaktmotoren mit 200 cm3 Hubraum und zehn PS. Besonderen Ruf genoss die vierrädrige Sportversion Tg 500 (Tiger). Mit 19,5 PS war diese gut für Tempo 130.

1964 war Schluss. Der letzte Kabinenroller rollte vom Band. Der Kabinenroller konnte mit der schnellen Auto-Entwicklung nicht mithalten, denn inzwischen galt der VW Käfer längst als des Deutschen Autotraum - und der war immerhin schon damals ein richtiges Auto.

Technische Daten der Messerschmitt Kabinenroller
  Fend-Flitzer KR 175 KR 200 TG 500
Karosserie: einsitziger Kabinenroller zweisitziger Kabinenroller zweisitziger Kabinenroller zweisitziger Kabinenroller
Motor: F&S, 98cm3, 1 Zylinder 2-Takt F&S, 173cm3, 1 Zylinder 2-Takt F&S, 191cm3, 1 Zylinder 2-Takt F&S, 493cm3, 1 Zylinder 2-Takt
PS bei U/min: 2,5/3500 10,9/5250 10,2/5250 19,5/5000
Leergewicht: 95 kg 220 kg 240 kg 390 kg
Vmax 60 km/h 78 km/h 90 km/h 125 km/h

 

Der Heinkel Kabinenroller

Viele Flugzeugkonstrukteure versuchten sich in den 50er Jahren im Roller-Mobil-Bau, da ihnen aufgrund eines Erlasses der Alliierten (wie beim Messerschmitt-Karo schon erwähnt) der Flugzeugbau verboten war. Auch Professor Ernst Heinkel, bekannt durch seinen Heinkel - "Tourist" - Motorroller, ließ sich 1954 auf dem Genfer Salon durch die dort gezeigte Konstruktion der Firma ISO inspirieren. Im Gegensatz zu BMW hielt er dieses Fahrzeug jedoch für zu massiv und konstruierte seine eigene Version.

Heinkel hatte für sein Projekt eine Technik vorgesehen, die sich seines Erachtens mit dem Konzept der Isetta nicht überschnitt. Zwar sah seine Heinkel-Kabine aus wie eine Kreuzung zwischen Isetta und Messerschmitt - Kabinenroller, doch technisch war dieses Fahrzeug durchaus eigenständig, wie man es von einem Flugzeugbauer eben erwarten konnte. Die Konstruktion von Heinkel war der einzige gelungene Versuch, einen Roller- bzw. Motorradmotor (den seines Tourist-Rollers) praktisch unverändert in einem Kleinwagen zu verwenden. Einzige Änderung war ein dazugekommener Rückwärtsgang.

Durch das mit Know-how eines Flugzeugbauers erreichte niedrige Gewicht von 245 kg (die Isetta brachte 345 kg auf die Waage) und die aerodynamsische günstige Formgebung gehörte die Heinkel-Kabine trotz des kleinen 175 - cm3 -Motors mit zu den schnellsten Kleinwagen, begnügte sich mit 3,5 Litern Sprit und bot zwei Erwachsenen und zwei Kindern ausreichend Platz. Das Fahrzeug war sehr geräumig und besaß auch eine sehr gute Straßenlage sowie eine leichtgängige Lenkung, Kupplung und Bremse. Die auf die Vorderräder wirkende Fußbremse griff gut zu, blockierte aber leicht. Erst ein Verkleinern der Bremsfläche von 260 auf 187 cm2 schaffte notwendige Abhilfe. Aber auch der Heinkel hatte seine Nachteile: Hohe Drehzahlen waren immer ein wunder Punkt dieser Kabine. Die Lautstärke bei Höchstgeschwindigkeit war ohrenbetäubend, denn über die gewölbten Scheiben wird der Schall direkt in die Ohren reflektiert. Und bei Regen gibt es nur zwei Möglichkeiten: Der Fahrer hat die Wahl, entweder nichts zu sehen, weil die Scheiben permanent beschlagen war oder aber Dach und Ausstellfenster zu öffnen und naß zu werden.

Der Heinkel unterschied sich von der Isetta durch seine feststehende Lenksäule hinter der Fronttür, die den Einstieg etwas erschwerte. In der Anschaffung war das Auto mit DM 2.750 etwas günstiger als die Isetta. Weil aber die Käufer dem Dreirad und dem kleinen Motor nicht recht trauten, fügte Heinkel ein viertes (Zwillings-)Rad hinzu, welches aber technisch eigentlich nicht notwendig war. Der Motor wurde im Hinblick auf das angestiegene Gewicht (285 kg) auf 204 cm3 vergrößert, wodurch auch die Leistung um bescheidene 0,7 PS anstieg. Mit dem Tod von Heinkel 1958 endete die deutsche Produktion.

Technische Daten der Heinkel Kabinenroller
  Kabine 175 Kabine 200
Karosserie: zweisitziges Coupe
+2 Kindersitze
zweisitziges Coupe
+2 Kindersitze
Motor/Hubraum: Heinkel, 174 cm3
1-Zylinder, Viertakt
Heinkel, 204/198 cm3
1-Zylinder, Viertakt
Bohrung/Hub: 60/61,5 mm 65/61,5 mm
PS bei U/min.: 9,3/5500 10/5500
Kupplung: Mehrscheiben Mehrscheiben
Schaltung: Viergang Viergang
Bremsen: hydr. Trommel hydr. Trommel
Maße LxBxH mm: 2551x1370x1320 2551x1370x1320
Leergewicht: 243 kg 285 kg
Höchstgeschwindigkeit: 86 km/h 86 km/h
Verbrauch: 3,5 Liter 3,5Liter
Preis: 2750,- DM 2750,- DM
Stückzahlen: 6 438 Stück 5 537 Stück
Baujahre: 1956/1958 1956/1968

Michael Neuhauss

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