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Die Tarantel

Als der "Kalte Krieg" 1950 seinen ersten Höhepunkt erreichte, erschien in West-Berlin die erste Ausgabe der Satire-Zeitschrift Tarantel.

Der Ostberliner Journalist Heinz W. Wenzel war ihr Gründer und erster Chefredakteur. Während seiner Tätigkeit als Redakteur des sowjetischen Nachrichtenbüros beantragte er 1946 beim französischen Presseamt in West-Berlin die Lizenz für eine Satirezeitschrift. Das veranlasste die Sowjetmacht, ihn zu verhaften und ohne Urteil in den berüchtigten Speziallagern Hohenschönhausen und Sachsenhausen einzukerkern. Nach seiner Entlassung gründete er mit der Unterstützung amerikanischer Freunde zusammen mit Leidensgenossen und Satirikern aus ganz Deutschland die Tarantel.

Neben 124 Monatsausgaben mit einer Auflage von bis zu 250.000 Exemplaren erscheinen auch zahlreiche Sonderausgaben. Das kostenlos verteilte vierfarbige Satiremagazin war in der DDR äußerst begehrt. In West-Berlin gedruckt wurde es im West-Ost-Passantenverkehr und auf dem Postweg in den Osten geschmuggelt. Mit zunehmenden Grenzabsperrungen und Kontrollen wurde ein Teil der Auflage sogar mit Ballons über die Sperranlagen befördert. Mit dem Bau der Berliner Mauer brach das Transportsystem zusammen, sodass danach nur noch drei Ausgaben erschienen und das Magazin eingestellt werden musste.

Auch bei den Organen der Staatssicherheit war das Interesse sehr groß, wohl nicht nur aus dienstlichen Gründen. Den Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit ist zu entnehmen, dass von 87 in Neubrandenburg beschlagnahmten Exemplaren 45 auf dem Dienstweg nach Ostberlin verschwanden und die restlichen Exemplare stark zerlesen waren.

Die Tarantel war stets voller Kritik am System, der sowjetischen Übermacht und an der Versorgungslage. Aus der Sicht des Staatsapparates war die Redaktion eine staatsfeindliche "Spionagezentrale", die "Hetzmaterialien" verbreitete. Besitz und Vertrieb der Tarantel wurde in der DDR deshalb streng bestraft; wegen "Boykotthetze" wurden Haftstrafen von bis zu 6 Jahren verhängt.

Auch die Redaktion selbst geriet ins Fadenkreuz der Stasi. Sie wurde nicht nur bespitzelt, sondern auch terrorisiert. Beispielweise sollte eine Mitarbeiterin durch nächtliche Drohanrufe zur Aufgabe ihrer Tätigkeit bei der Tarantel genötigt werden.

Nicht zuletzt aus diesen Gründen hieß es mit hintergründigem Humor in jeder Ausgabe: "Preis: unbezahlbar".

Herr Martin Fik hat dem Epoche-3 Team aus seiner Sammlung eine Reihe von Ausgaben der Tarantel zur Verfügung gestellt, wofür wir uns an dieser Stelle vielmals bedanken. Aus Platzgründen veröffentlichen wir nur eine komplette Ausgabe der Tarantel. Bei Interesse an weiteren Ausgaben kontaktieren Sie uns bitte.

Tarantel

Sie können sich Heft 59 der "Tarantel" → hier als Archiv im .zip-Format herunterladen. Dateigröße: 5,21Mb

Hans-Joachim Krohberger

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